Fernsehwoche Nr. 3 von 15. Januar 2021
Was wir vom Leben lernen können. „Zu träumen ist wichtiger denn je“
Prominente verraten die vier Lebensregeln, die ihnen wirklich am Herzen liegen. Diesmal: Sänger Klaus Hoffmann (69)
Die Vorteile des Älterwerdens sind, dass man gelassener wird und dass man mehr Unsinn reden darf und nicht gleich dafür bestraft wird. Und man fängt an, noch mehr über das Leben nachzudenken...
Träume sind ganz wichtig.
Seit ich Kind war, bin ich mit Träumen, Hoffnungen und Sehnsüchten aufgewachsen. Auch wenn sie nicht erfüllbar sind, können sie einen immer wieder am Leben erhalten. Zu träumen und auch mal herumzuspinnen, ist heute wichtiger denn je. Der Schriftsteller Marquez hat kurz vor seinem Tod mal gesagt, dass er nicht genug geträumt habe. Kunst und Kultur sind dafür ja ganz besonders da.
Gib nie auf.
Und: Aufstehen, immer wieder aufstehen. Das hat meine Mutter, die ein sehr starker, auch sich selbst gegenüber strenger Mensch war, immer gesagt. Das war das Credo der Trümmerfrauen in Berlin damals.
Die Zeit gehört der Zärtlichkeit.
Das ist ein provokanter Titel suf meinem neuen Album „Septemberherz“, an das ich in letzter Zeit oft denken muss. Die Zeile springt einen an, gerade in diesen harten Zeiten. Es geht darum, die Zärtlichkeit bei sich selbst und anderen zu finden, das heißt, zusammenzufinden, was uns trennte.
Bewegung macht den Kopf leer.
Sting hat mal gesagt, er muss jeden Tag zwei Stunden richtig ausschreiten. Der Begriff gefällt mir, und es stimmt: Jeden Tag zwei Stunden gehen, damit der Kopf leerer wird und du rauskriegst, wer du bist und wer die anderen sind. Rausgehen aus seinem eigenen Aufnahmegerät, rausgehen aus der eigenen Klammer. Das sind schon Dinge, die mich zum Guten hinbewegen. Weiter gehen, mit dem Leben.
Schlagerprofis - 07.12.2020
Schlager-News, CD-Rezension
Klaus Hoffmann: "Septemberherz" in der Schlagerprofis-Rezension
Schlagerprofis
07.12.2020

Schlager-News
Klaus Hoffmann: Septemberherz in der Schlagerprofis-Rezension

Im November legte Klaus Hoffmann sein neues Studioalbum "Septemberherz" vor. Eine gelungene und berührende Mischung aus Melancholie, politischem Bekenntnis und nach vorne gehenden Popsongs.

Das Album beginnt gleich mit großem Besteck: "Meine Chance" ist eine symphonische Ballade in Es-Dur mit großen Streicherarrangements. Es geht um die Chance des neuen Morgens mit der Partnerin. Oft nimmt sich der Sänger hörbar zurück, um den Streichern mehr Raum zu geben.
Ungewöhnlich deutlich positioniert sich Hoffmann fünf Jahre nach ANGELA MERKELs wichtigem Satz "Wir schaffen das!" zur Flüchtlingspolitik. Ein eindringlicher Appell für Toleranz und kulturelle Vielfalt, der von Hoffnungen und Ängsten der Geflüchteten im "Gelobten Land" Deutschland erzählt. Hier stehen Hoffmann und seine Gitarre im Vordergrund, werden jedoch von Schlagzeug und Streichern unterstützt.

"Wenn ich dich anseh" ist ein echter HOFFMANN: musikalisch auf seine Bandbesetzung reduziert, erzählt die Ballade von einer langen Liebe und wird nostalgisch. Eines der musikalisch wie textlich leicht zugänglichen Lieder mit einer Modulation von Es- nach E-Dur.

"Die Zeit gehört den Zärtlichen" ist ein herrlich beschwingtes Lied in der Hoffnungstonart D-Dur mit einer wunderbar eingesetzen Trompete.

1969 schrieb der französische Chansonnier Michel Legrands die Steicherballade "Les moulins de mon coeur" (zu deutsch: "Die Gletschermühle meines Herzens"). KLAUS HOFFMANN konzentriert seine Übertragung "Wie sich Flügel drehn im Wind" auf Gesang und Stimme. Damit nimmt er dem Arrangement das Butterweiche und rückt die Melancholie in den Fokus.
Erst zum Schluss fügt er sanfte Streicher hinzu. Er singt das Lied einen Halbton tiefer als im französischen Original (F-Moll).

Melancholisch wird es mit "Du wirst die Eine sein". Es geht um eine Liebe, der sich der Erzähler immer schon bewusst war. Er wünscht sich, mit ihr über die Dunkelheit zu siegen und nie mehr allein zu sein. Auch dieses Lied ist für KLAUS HOFFMANNS Band arrangiert und mit der Tonart C-Dur vergleichsweise einfach gestaltet. Im Refrain hellt sich die Stimmung auf und Hoffmanns Stimme wird gedoppelt.

Was wäre ein Album von KLAUS HOFFMANN ohne eine Erinnerung an seine Kindheit in Berlin? In "Und ich weiß nicht, ob's vorbei ist" mischen sich Erinnerungen an Kinobesuche und erste Begegnungen mit dem anderen Geschlecht mit Gegenwartserlebnissen wie dem Erkanntwerden auf der Straße.

Das überraschendste Lied dieses Albums ist "Basta". Ein nach vorne gehender, treibender Popsong, den man live hören will. "Basta" ist ein flammendes Plädoyer gegen Rechts, Hass und rückwärtsgewandtes Denken.

Die Ballade "Ich glaube" erzählt von der Macht der Träume und Werten wie Toleranz. Auch hier stellt sich der Sänger deutlich gegen Nationalismus.

"Asi es la vida" ist das einzige Duett auf diesem Album. Er singt es Zeile für Zeile gemeinsam mit seiner Tochter LAURA KUNO. Das Lied soll Vater und Tochter, die sich selten sehen, miteinander verbinden und ist ganz auf Gesang und Gitarre fokussiert.

"Ich kenne Dich" - noch ein Berlin-Lied, doch hier wird Berlin als Geliebte beschrieben, die dem Dichter nichts mehr vormachen, von der er aber auch nicht lassen kann. Der musikalische Aufbau ist hier besonders gelungen: In G-Moll gehalten, fängt der Song zunächst recht unspektakulär an, entwickelt sich dann immer packender, wozu besonders die Bläsereinwürfe beitragen.

"Dein Gesicht" ist dem Musikverleger ROLF BUDDE gewidmet, der bereits im April 2018 nach schwerer Krankheit starb. KLAUS HOFFMANN spricht den Freund direkt an und erzählt davon, wie er ihn motiviert habe, Lieder über Berlin zu schreiben.

Ähnlich melancholisch klingt das Album nun aus. Der in E-Moll gehaltene Titelsong "Septemberherz" erzählt von der Vergänglichkeit des Lebens, endet jedoch hoffnungsvoll mit der Zeile "Es ist noch Zeit!"

"Ich würd es wieder tun" erzählt vom Lampenfieber vor dem großen Auftritt, aber auch vom Selbstvertrauen und der Freude, auf der Bühne zu stehen.

KLAUS HOFFMANN ist mit "Septemberherz" ein abwechslungsreiches, berührendes, melancholisches und zugleich optimistisches Album gelungen. Manche Texte brauchen ihre Zeit, bis sie sich entschlüsseln, doch der Sänger überrascht mit ungewöhnlich politischen Statements und erstaunlich wenigen Rückblicken auf seine Kindheit.
Seinen in seiner Autobiografie und seinen Konzerten eigentlich immer präsenten Vater macht er diesmal nicht zum Thema, was das Album lebensfreudiger macht. Dieses Album ist nicht nur etwas für eingefleischte Fans des Sängers oder des Genres Liedermacher, sondern für alle, die sich nach guten Texten und abwechslungsreichen Arrangements sehnen.
Freies Wort, Südthüringer Zeitung, FW Meininger Tageblatt, 27.11.2020
Neues Album
Lieder eines
Rastlosen
Dieses Album ist eine Ode an das
Leben, der Künstler ein Multitalent,
das seinesgleichen sucht: Der Berli-
ner Liedermacher Klaus Hoffmann
nimmt auf seinem gerade erschiene-
nen neuen Album „Septemberherz“
den Zuhörer in fünfzehn wunderba-
ren Chansons mit auf Reisen. Es
sind Wege zu sich selbst und durchs
Leben, durch die Welt und in ein
Stück Normalität, das derzeit so vie-
len aus unterschiedlichsten Grün-
den abhanden gekommen scheint.
Melancholie und Zukunftsgewiss-
heit treffen dabei in wunderbarer
Weise aufeinander. Dazu gesellt sich
tiefgründiger Humor, der keine Zo-
ten braucht.
Hoffmanns Stimme ist zeitlos
– auch wenn der Mann im kom-
menden Jahr seinen 70. Geburtstag
feiern wird. Kritiker mögen ihn für
ein Stück des alten Westberlin hal-
ten – ihn ficht solches nicht an,
denn er war, ist und bleibt sich treu.
Beleg dafür mag das Chanson „Dein
Gesicht“ sein, das die mehr oder
weniger wiedervereinte Metropole
zwischen all ihrer Befremdlichkeit
und den kleinen Dingen des Alltags
treffend skizziert. Der Schauspieler,
Sänger und wahrscheinlich maßlose
Romantiker Klaus Hoffmann ist ein
Beobachter, der mitdenkt und eine
klare Meinung hat. Er muss sich
nichts beweisen und selbstredend
auch nicht über jedes Stöckchen
hüpfen. Er ist erfahren, ruht im bes-
ten Sinne in sich. Und doch kommt
Klaus Hoffmann niemals weise, gar
abgeklärt oder belehrend daher.
Dazu hat er viel zu viel Leiden-
schaft, Herzblut, Klasse.
Klaus Hoffmann erzählt Geschich-
ten, die zu erzählen sich lohnt.
Nicht nur, aber gerade auch in Zei-
ten wie diesen. Die Arrangements
sind flott, atemberaubend – und
doch nie überladen.
Ein kräftiger Hauch von Lateiname-
rika weht über das Album, das im-
mer wieder auch mit Folk-Klängen,
Jazz und Pop-Elementen überrascht.
Leicht und dennoch raffiniert trifft
Klaus Hoffmann nicht nur musika-
lisch den Ton. Seine Stimme ist da-
bei wenigstens so großartig wie die
Texte: „Nie vorbei/ ich freu mich
auf den nächsten Mai/ ich freu
mich auf den Sommer, noch ist
nichts vorbei/ ich freu mich drauf,
so wie jedes Jahr/ in meinem Her-
zen ist kein graues Haar.“
Das Liebeslied „Wie Flügel drehn im
Wind“ berührt zutiefst, im finalen
Song „Ich würd es wieder tun“ setzt
er einen hymnischen, beinahe
schon pompösen Schlusspunkt für
ein Album, das zweifelsohne das
Zeug dazu hat, nicht im Regal zu
verstauben, sondern unaufhörlich
das Leben zu feiern. all
Klaus Hoffmann: „September-
herz“ ist Anfang November er-
schienen und überall im Handel
verfügbar.
Saarbrücker Zeitung, 25.11.2020:
Interview mit Klaus Hoffmann, für den das Saarland so etwas wie "ein Nest" ist.
Der Musiker über sein Jahr 2020 unter Corona, sein geplantes Saarbrücker Konzert, das Altern - und die sogenannten Querdenker.
"Die Leute entzünden sich radikal"
Von Tobias Kessler
Redakteur Kultur
Klaus Hoffmann ist ein Mann der meist leisen Töne – und ein regelmäßiger Gast im Saarland. Der 69-jährige Musiker, Autor und große Jacques-Brel-Fan, der als Schauspieler 1976 mit „Die neuen Leiden des jungen W.“ bekannt wurde, hat ein neues Album vorgelegt: „Septemberherz“ mit manchmal melancholischen, oft romantischen Chansons – und einer deutschen Fassung von Michel Legrands Klassiker „Windmills of Your Mind“. Für den März ist eine Tournee vorgesehen.
Herr Hoffmann, für den kommenden März haben Sie eine Tournee geplant, für den 18. März ein Konzert in der Congresshalle in Saarbrücken. Wie optimistisch sind Sie, dass das stattfinden kann?
HOFFMANN Ich hoffe sehr darauf und halte das auch für realistisch. Wir befinden uns ja in einem langen Tunnel des „Was geht – was geht nicht – was ist erlaubt?“. Und gerade jetzt geht durch den Lockdown gar nichts. Aber wir müssen einfach hoffen, dass das klappt, und Geduld haben. Ich brauche die Bühne, meine Leute, mein Publikum – ich muss atmen, zur Not auch mit Maske. Und das Saarland ist ja ein Nest für mich, zu den Konzerten kommen dort immer fast so viele Leute wie in Berlin. Warum, weiß ich auch nicht.
Wie war dieses Corona-Jahr bisher für Sie?
HOFFMANN Seit Januar war ich mit dem Album beschäftigt. Ich war vor allem zu Hause, das ist ja eigentlich ganz gut, aber man wird ganz auf sich selbst zurückgeworfen. Da kamen bei mir ganz viele alte persönliche Geschichten hoch, die ich so erlebt habe, auch als Kind. Zugleich kamen aber Sorgen um die Gesundheit und das Geld – Gaukler müssen ja auch essen – das war schon ziemlich stürmisch. Das alles floss irgendwie in das Album hinein. Bei der Produktion musste ich viel kommunizieren mit meinen Musikern, die nach den ersten gemeinsamen Studio-Aufnahmen ja völlig verstreut waren, zwischen München und London. Da hing ich wie ein Nerd endlos vor dem PC. Das war eine sehr dichte Zeit – wenn diese Zeit irgendwann mal vorbei ist, wird es eine unvergessliche bleiben.
Auch für die Kulturschaffenden ist es eine schwierige Zeit mit geschlossenen Theatern, Kinos, Museen und Konzertorten. Es gibt viele Vorwürfe an die Politik, dass sie zu schnell Kultureinrichtungen schließt und unzureichend unterstützt. Sehen Sie das auch so?
HOFFMANN Es hängt ja immer von den einzelnen Menschen ab, es gibt Gipsköpfe und es gibt Leute mit Weitblick. Ich finde, dass die Politik das generell gut macht – ich möchte in dieser Situation da nicht gerne am Hebel sitzen. Ich habe im Mai hier in Berlin in der „Bar jeder Vernunft“ kleine Konzerte mit meinem Jacques-Brel-Konzert gegeben, da wurde viel getan, dass das in dieser Situation überhaupt möglich ist. Und ich hatte das Glück, da gefördert worden zu sein. Diejenigen, denen die Pleite droht, brauchen unsere Solidarität.
Musiker Till Brönner hat in einem viel beachteten Aufruf vor dem Versanden der Kulturlandschaft gewarnt.
HOFFMANN Was Till gemacht hat, fand ich sehr lobenswert. Der Hinweis, dass wir Gefahr laufen, die Kultur zu verlieren und seelenlos zu werden, ist dringend vonnöten. Sonst ist der Kulturbeutel bald leer. Ich schwanke da immer zwischen Hoffnung und Niedergeschlagenheit.

Letztere muss man auch bekommen, wenn man sich Begleitsymptome der Pandemie anschaut wie die Demos der sogenannten Querdenker, oder?
HOFFMANN Ja, das ist bedrohlich – aber ich glaube, dass wir ein sehr starkes Land sind, das so etwas auffangen kann. Schauen Sie sich mal die AfD an: Die ist zwar auch gefährlich, schießt sich aber gerade selbst ins Knie. Aber mit dem Ganzen müssen wir uns auseinandersetzen und Grenzen setzen. Man kann ja nicht einfach nur zuschauen, wenn so viel Schwachsinn auf den Straßen unterwegs ist. Ich habe meine Lieder nie als Instrument von politischen Botschaften gesehen – aber jetzt, mit fast 70, sehe ich, dass da schon Botschaften drin sind.
Auf dem neuen Album sehr deutlich im Stück „Basta“ mit Zeilen wie „Mein Bruder Joshua/ trägt die Kippa nur noch heimlich/ an seiner Tür lädt auch kein Name ein“ oder „Der Hass hat ein kluges Gesicht/ passt sich an, reicht Dir die Hände“?
HOFFMANN Ich musste dazu etwas schreiben, weil man dieses Hass-Moment politisch ja gar nicht mehr erklären kann. Es ist Verwirrung, es ist Dummheit, es ist auch immer wieder eine Weigerung, sich auf die Idee einer Gemeinschaft einzulassen. Leute entzünden sich radikal, siehe auch Amerika. Da springen jetzt wahnsinnig viele Leute wieder auf den Zug von Trump auf, weil sie die Wahrheit einfach nicht sehen. Ich weiß nicht, wie man an diese Leute rankommt. Vielleicht nur durch Auseinandersetzung. Das ist meine Politik – dass ich Menschen mit meiner Musik und meinen Worten erreichen will. Man muss sich entscheiden, dem Hass entgegenzutreten, und zugleich diese alten Begriffe, die vielen ja schon gar nicht mehr gefallen – Glaube, Liebe, Hoffnung – wieder ins Spiel bringen. Über diese Wertigkeit muss jeder neu für sich entscheiden.

Beim ersten Lockdown kam ja die Hypothese auf, nach der großen Krise wären wir alle bessere Menschen, würden mehr an die Umwelt denken, dem Kapitalismus Adieu sagen. Ich habe da große Zweifel – Sie auch?
HOFFMANN Man kann das ja letztlich nur für sich selbst entscheiden, ob man diesen Hoffnungsschimmer wahrnehmen will oder nicht. Ich glaube, alles wird danach so anders sein, wie wir es uns überhaupt nicht vorstellen können. Die Pandemie verändert die Welt und zeigt uns Dinge, die vorher schon da waren, aber gerne übersehen wurden: die Überbelastung der Pflegesysteme etwa. Ich weiß nicht, wann es ein Danach geben wird. Bisher sind wir ja, relativ gesehen, gut durchgekommen, wenn man etwa an die Spanische Grippe denkt, die die Menschen vor uns erlebt haben. 
Ist das Thema Corona in die Texte des Albums eingeflossen?
HOFFMANN Nein, Corona-Lieder oder so etwas sind das überhaupt nicht. Ich mag das nicht, solche „Wir sind noch da“-Lieder. Mir fiel dieses Wort „Septemberherz“ ein, und ich dachte – was ist das denn? Das Thema Zeit hängt über dem ganzen Album. Wieviel hat man noch? Was macht man damit? Wo geht man hin? Ich habe das fertige Stück der Tochter des Wirtes eines Ristorantes, wo ich immer gerne hingehe, vorgespielt. Sie ist so Mitte 20, Lucia heißt sie, und sie sagte mir, dass ihr die letzte Zeile am besten gefallen hat: „Es ist noch Zeit“.

HOFFMANN Die Zahl nicht, aber der Gedanke an die Endlichkeit – aber den hatte ich schon mit zehn, als mein Vater starb. Danach hatte ich immer am meisten Angst davor, mich von jemandem zu verabschieden. Man verabschiedet sich ja ein ganzes Leben lang. In Deutschland redet man nicht so viel vom Tod, es ist ein Grenzthema, aber dieses Virus spült im Moment ja alles nach oben. Vielleicht bietet das auch die Chance, sich damit zu beschäftigen, dass wir eben nicht ewig da sind. Ich denke da nicht jeden Tag dran, denn mein Körper ist Ok und ich bin gesund, aber ich bereite mich schon innerlich vor, dass ich das in zehn Jahren vielleicht anders sehe.
Auf dem Album singen Sie auch ein Duett mit Ihrer Tochter Laura – wie kam es dazu?
HOFFMANN Sie kam mich besuchen aus Spanien, wo sie lebt und wo jetzt alles geschlossen ist. Wir saßen bei mir in der Küche, und ich wollte etwas für uns machen. Wir waren früher ja nicht viel zusammen, ich habe da nicht die besten Erinnerungen, weil wir viel getrennt waren. Ich habe das Stück „Así es la vida“ geschrieben, dann sind wir sofort ins Studio gegangen. Jetzt ist das Stück so etwas wie der Lichtblick auf der Platte. Jetzt sind wir zusammen, obwohl wir räumlich nicht zusammen sind. Es ist wie eine innere Umarmung.

Klaus Hoffmann: Septemberherz
(Stille Musik / Indigo).
Konzert: 18. März 2021, Congresshalle Saarbrücken. Karten: www.eventim.de
Info: www.klaus-hoffmann.com
rolling stone 12. November 2020
Spazierfahrt auf der Straße der Erinnerung
JÖRN SCHLÜTER
Klaus Hoffmann, Septemberherz

Wenige deutsche Liedermacher haben ihrer Frankophilie derart leidenschaftlich Ausdruck verliehen wie Klaus Hoffmann. So ist es nur folgerichtig, wenn sein neuer Reigen von „Wie sich Flügel drehn im Wind“ gekrönt
wird, Hoffmanns Version von Michel Legrands zigfach inter-pretiertem Chanson „Les moulins de mon coeur“. Auch in seinen eigenen Stücken wirkt die alte Melancholie intakt.
Hier und da macht sich zu viel
routinierte Eleganz breit. „Und ich weiß nicht, ob’s vorbei ist“ verbindet Heimkehr und Abschied, Eros und Thanatos. Hoffmanns Lieder sind die Glücksmomente der Vergangenheit. „In meinem Herzen ist kein graues Haar“, heißt es im Titelsong. Dass er
ein Septemberherz hat – das haben wir immer schon gewusst.
Neue Osnabrücker Nachrichten, 8. November 2020:
ON-Interview mit dem Sänger und Songschreiber Klaus Hoffmann über Corona, Sehnsucht, Liebe, die 70 und sein Album "Septemberherz"
Künstler nicht als systemirrelevante Eckensteher sehen
Berliner Morgenpost, 06.11.2020
"Septemberherz im November"
Liedermacher Klaus Hoffmann hat ein neues Album veröffentlicht. Mit viel Herbstmelancholie und einem Rückblick zum 70. Geburts-tag im kommenden Jahr
Klaus Hoffmann wurde in Berlin geboren. Seit seinem ersten Album 1975 verewigt er seine Heimatstadt immer wieder auch in seinen Liedern.
ANNIKA SCHÖNSTÄDT
Klaus Hoffmann hat ein neues Album veröffentlicht. Verlässlich zwei Jahre nach dem Vorgänger „Aquamarin“ ist in
dieser Woche „Septemberherz“ erschienen.
Seit 1975 geht das so. Auf Studioalbum folgt Livealbum folgt Studioalbum.
Der gebürtige Charlottenburger ist im Lebenssoundtrack der Deutschen – und insbesondere der Berliner – eine Konstante.
Er begleitet ihre Empfindsam-keiten mit Musik, singt von seiner Heimatstadt,dem Getrennt- und Wiedervereintsein, der Vergänglichkeit, der Liebe
und immer wieder von seiner Kindheit.„Im Grunde erzähle ich meine Geschichte immer wieder. Sicher in anderen Kreisen,
aber die Geschichte fängt immer bei mir als Kind an“, sagt er auch jetzt über sein jüngstes Werk.
Klaus Hoffmann kam 1951 als einziges Kind eines Finanzbe-amten und einer Fabrikarbeiter-in zur Welt. Aufgewachsen ist er an der Kaiser-Friedrich-Straße
3a in Charlottenburg. Ein graues Haus, sagt er. Dort habe er als Kind immer gestanden und auf die Straße geschaut. „Mein Vater starb, da war ich zehn. Er war sehr krank, er kam aus dem Krieg. Dann die strenge, starke Mutter. Sie wurde sehr alt“, erzählt Hoffmann das gewordene Drama seiner frühen Kindheit,
ohne dass man ihn danach fragen
muss. Der Vater sei kalt gewesen, habe kaum mit ihm ge-sprochen. Zuflucht und Wärme habe er erst in der Luisenkirche um die Ecke gefunden, bei einem Pfarrer, den er mochte, ohne dass er vorher gewusst habe,dass er Religiosität überhaupt in sich trug. Später in der Musik und Schauspielerei. Neben einer Ausbildung zum Großhandelskauf-mann für Stahl und Eisen trat Hoffmann schon als Jugendlicher in Berliner Kneipen auf.
Von 1970 bis 1974 studierte er an der Max-Reinhardt-Schule für Schauspiel. Das ewige Annähern
an die eigene Geschichte „Man muss das Lied finden, das man
noch nie geschrieben hat“, sagt Hoffmann. Und deshalb hat er auf „Septemberherz“ alles noch einmal neu aufgerollt:
Vater, Mutter, Kind, Suche, Sehnsucht, Liebe. Das ewige An-nähern an die eigene Geschichte in verschiedenen Spiralen und aus unterschiedlichen Perspek-tiven und Lebensphasen nennt er
diesen Prozess. „Ich wollte ein ganz pures Album machen“, sagt er über den aktuellen Versuch und relativiert sich dann sofort selbst. Hinten gebe es schließlich auch ein paar Schmonzetten mit Glanz. Und auch die haben ihre Berechtigung.
Den Titel habe er schon lange mit sich herumgetragen und dann eben ein Album dazu schreiben müssen, sagt Klaus Hoffmann. Ein Vertrag mit sich selbst, manisch den Worten hinterher.
Dass „Septemberherz“ nun im November erschienen ist, habe keinen besonderen Grund. Hauptsache Herbst, findet Hoffmann. Das passe zur Stimmung.
Denn dieses Mal ist alles noch ein bisschen dramatischer. Hoffmann wird im kommenden März 70 Jahre alt. Und natürlich macht das etwas mit einem
Melancholiker wie ihm. Die eigene Endlichkeit sei ihm gerade besonders bewusst. Dabei fühle er sich doch eigentlich
noch jung. „In meinem Herzen ist
kein graues Haar“, singt er im Titelsong. Und „Es ist noch Zeit“. Aber wenn nicht? Immerhin habe er noch Leidenschaft und Stimme, das bescheinigt sich Klaus Hoffmann selbst. Und das sei doch das Wichtigste für einen Sänger, „auch wenn es dann klingt wie die Knef“. Trotzdem gehöre er in seinem Alter
aktuell zu einer Risikogruppe, das lasse sich nicht leugnen. Denn zu aller Schwermut kommt nun auch noch die Corona-Krise hinzu, die Hoffmann und seinen Berufsstand besonders hart trifft.
Erst neulich sei er im Kino gewesen, erzählt er. Im neuen Film mit Isabelle Huppert, die er verehre. Nur ein paar andere
Zuschauer seien mit ihm dort gewesen. Ist das jetzt das finale Sterben der Kiezkinos? „Ich habe Angst, dass wir ein
bisschen seelenlos werden“, sagt Hoffmann. „Wir müssen sehen, dass sich die Kunst erhält. Dass wir nicht blöde werden.“
Denn eine weitere Konstante im
Leben von Klaus Hoffmann und seinen Fans ist auch, dass der Liedermacher nach jedem Album auf Tour geht. Geplant ist das auch dieses Mal. Am 23. März 2021 – drei Tage vor seinem Geburtstag – will Hoffmann nach neun Konzerten in der Berliner Philharmonie enden. Ob die Auftritte wirklich stattfinden
können, steht derzeit noch in den Sternen. Er werde auch vor wenigen Menschen spielen, sagt Hoffmann. Das sei dann wie früher mit 16 in der Kneipe.
Erst am Wochenende vor dem zweiten Lockdown habe er das bei einigen Auftritten geprobt. Oder bei seinen Brel- Abenden in der Bar jeder Vernunft. Nur ganz ohne Publikum, das kommt für ihn nicht in Frage. „Da muss jemand
sein, der atmet“, findet er. Als Künstler brauche er das Publikum, auch um sich sich selbst zu vergewissern. „Ich lebe davon, über mich zu erzählen. Ich bin ein
bisschen der Geograf meiner Geschichte. Sänger wollen gehört und gesehen werden.“
Gleichzeitig sei er noch immer nervös, wenn er mit einem neuen Album an die Öffentlichkeit trete. „Ich bin immer
mit Lampenfieber unterwegs. Obwohl ich das schon so lange mache, habe ich jedes Mal wie als Beginner die gleichen Gefühle.“ Während des Entstehens höre er die eigenen Songs in Dauerschleife im Auto und sei dann ganz besoffen von sich
selbst. Irgendwann höre das auf und der kritische Blick bahne sich seinen Weg. „Ich muss auf der Bühne erst merken, dass die Menschen mich annehmen, so
wie ich bin. Aber nach einer Zeit lässt das nach. Man prüft nicht mehr nach, der Augenblick
zählt.“ Dieses Mal hat Klaus Hoffmann sein Album vorab der Tochter eines Bekannten
zum Hören gegeben, sie ist Anfang 20. Herausfinden, ob sie wohl etwas anfangen könne mit dieser „Greisenmusik“,
ob er noch einmal die Kurve gekriegt habe. Den Song „Asi es la Vida“ hat er außerdem mit seiner Tochter eingesungen und schlägt damit den Bogen
zur nächsten Generation. Der letzte Song auf dem Album heißt übrigens „Ich würde es wieder tun“. Das neue Album ist also schon in Arbeit? Klaus Hoffmann lacht. Es ist doch noch Zeit, oder?
Mannheimer Morgen, 5. November 2020
Klaus Hoffmann veröffentlicht das Studioalbum "Septemberherz" und sorgt sich um Kultur in Corona-Zeiten
"Ich bin ein Kindskopf, wirklich"
Von Michaela Roßner
Er gilt als der legitime deutsche Interpret
von Jacques Brels Liedern, betört sein oft seit Jahrzehnten treues Publikum mit einfühlsamen
Chansons: Klaus Hoffmann ist vor allem ein musikalischer Geschichtenerzähler.
Am 6. November erscheint sein Studioalbum „Septemberherz“, das 54. Album insgesamt.

Herr Hoffmann, Sie haben sich gerade mit einem Appell zum Lockdown zu Wort gemeldet. Warum?
Klaus Hoffmann: Wenn die Bahnen fahren, Kirchen offenbleiben für jedermann – warum nicht auch Theater, Konzertsäle und Kinos? Hier
wurde schon massiv in Hygienevorkehrungen
investiert! Wir hatten gerade zwei Konzerte, und das ist sehr gut gelaufen. Wir müssen aufpassen,
dass wir die Kultur nicht an den Rand schippern. Wenn ich höre, dass wir dem Freizeitbereich zugeordnet werden oder den Bordellbetrieben,
tut mir das sehr weh. Denn dann wird es irgend-wann willenlos.

Wie geht es einem Künstler ohne Publikum?
Hoffmann: Wir sind nervös. Ich war gerade bei meiner medizinischen Fußpflege. Und die meckerte auch über die neuen Einschränkungen.
Man muss da genau zuhören. Ich beobachte
viel, gehe sehr oft an die frische Luft. Es kommen aber auch alte Kinderängste hoch: Als mein Vater
starb, war ich zehn Jahre alt. Wir hatten kein Geld, Mutter war sehr stark. Es prallten einige Dinge aufeinander. Die Erinnerungen haben sich
vor einem halben Jahr wieder an die Oberfläche geschwemmt bei mir: wieder eine unkontrollier-bare Gefahr. Inzwischen sehe ich das wieder
etwas fester.

Wie wurde das Album produziert?
Hoffmann: Es ist übrigens das beste Album, das müssen Sie schreiben. Das sage ich immer – aber diesmal stimmt es. Mit meiner Band waren
wir in einem sehr kleinen Studio hier in Charlottenburg. Dann kam der Lockdown. Die Streicher konnten alsGruppe gar nicht kommen. Die Bläser waren in London. Ich habe viel Zeit am Computer verbracht. Am Ende ist etwas sehr Konzentriertes entstanden.

Das Album erzählt viel von Abschieden: „Denk ich an mich mein Leben“ ist ein Beispiel dafür.
Hoffmann: Das brauche ich jetzt. Man wird einfach endlicher – und das ist gut. Das Leben bleibt magisch im Sinne von: Wo geht es denn hin? „Denk ich an Dich mein Leben“ gerät
witzig, weil ich es mit Swing auf den Kopf stelle. Ich habe das Album der Tochter meines Lieblingsitalieners Francesco gegeben. Sie ist 20.
„Kannst Du Dir das Zeug mal anhören – bis zum Ende“, habe ich sie gebeten. Sie sagte: „Das Beste ist, dass Du in einem Lied singst: Es ist noch Zeit.“ Das fand ich für eine Zwanzigjährige ziemlich erstaunlich. Sie hatte verstanden, worum es geht.

Sie singen zum ersten Mal mit Laura, Ihrer Tochter. Wie kam’s?
Hoffmann: Sie wird 40, lebt in Spanien und hat uns für ein paar Tage besucht. Eigentlich wollte ich nur mit ihr durch den Park gehen und reden.
Aber dann habe ich „Asi es la vida“ für
uns geschrieben. Laura ist keine professionelle
Musikerin, was die Sache für mich leichter und schwieriger zugleich machte. Sie singt das mit einer wunderbaren, unprätentiösen Stimme. An manchen Stellen geht sie richtig ran an den Song. Das hat mir sehr gut gefallen – die Leute mögen es übrigens sehr.

Sie werden Ende März 70 Jahre alt.
Passt dieses Alter zu Ihnen?
Hoffmann: An sich nicht. Ich gebe mir größte Mühe, es zu kapieren. Mit Wehmut – aber nur wegen der Endlichkeit. Sonst, wenn der Körper mitmacht – und ich sehe noch leidlich aus und kann noch singen – mache ich weiter, wenn ich darf. Ich bin ein Kindskopf, wirklich. Ich gebe mir nur Mühe, jetzt reif zu wirken.

Wie verbringen Sie den Geburtstag?
Hoffmann: Geplant ist für März eine Tournee, die im Kieler Schloss beginnt und in Berlin in der Philharmonie endet. Aber es ist ja alles ungewiss.
Wenn es wieder einen Lockdown gibt, packe ich meine Koffer und fahre mit Malene nach Griechenland. Ende.

Von Michaela Roßner
Ein einziges Lied auf dem Album haben nicht Sie geschrieben, sondern Michel Legrand:
„Windmills Of Your Mind“ – „Wie sich Flügel drehn im Wind“. Gibt es eine Geschichte zu Ihnen
und dem Lied?
Hoffmann: Es ist das erste Lied in meinem Leben, bei dem ich richtig hingehört habe, mit 14 oder 15 Jahren. Ein schwieriges Lied. Ich habe es leidlich übersetzt, ein bisschen trocken vielleicht. Das Stück ist harter Tobak, erzählt die Situation
zweier Liebenden, die nicht wissen, wie es weiter geht. Die härteste Zeile ist: „Ich sehe den Herbst in Deinen Haaren“. Das Schlimme ist, dass er
so viel zu sagen verpasst hat. Das Lied stammt aus dem Film „Thomas Crown ist nicht zu fassen“
(1968)mit Steve McQueen und Faye Dunaway. Es ist ein Verliererlied –letzten Endes.
Hamburger Abendblatt: Der Berliner Chansonnier Klaus Hoffmann über sein Album "Septemberherz", sein Lampenfieber und einen wichtigen Tipp von Joan Baez
"Ich singe, um die Angst zu überwinden"
Tino Lange
Sofa, Hausschuhe, Lesebrille, Klaus Hoffmann hat es sich es sich auf dem Cover seines neuen Albums "Septemberherz" gemütlich gemacht. Dabei hält den Berliner Chansonnier wenig zu Hause, auch in Corona-Zeiten. In Hamburg ist er gern, hier liegen alte Wirkungsstätten wie das Thalia Theater und neue wie die Elbphilharmonie, wo am 16. März ein Konzert geplant ist. Doch die Zukunft ist ungewisser denn je, was auch Hoffmann beim Gespräch im Hamburger Büro der Karsten Jahnke Konzertdirektion betrübt. Aber am Ende wird bei ihm alles ein Lied.

Hamburger Abendblatt: Herr Hoffmann,
bei vielen Ihrer Alben liest man in Rezensionen:
„Klaus Hoffmann ist jetzt bei sich selber
angekommen.“ Also entweder sind Sie
schon immer bei sich angekommen – oder
noch nie. Was ist richtig?
Klaus Hoffmann: Sehr interessant!
Meistens ist das ja ein Sprung in die Lü-
ge, um journalistisches Futter für die Fische
zu haben. Aber heute stimmt das
sogar, wo wir uns hier treffen. Hamburg
war meine Anfangsstadt. Und schon hier
gab es für mich, egal ob als Musiker oder
Schauspieler, nur ein Ziel: Ich will das
werden, was ich bin. Aber auf diesem
Weg bin ich sehr oft an mir vorbeigeschlittert.
Man trägt ja nicht nur Maske,
wenn man eine Maske trägt.
Aber Sie wollten das doch so, oder wurden
Sie von außen dazu gezwungen?
Ich könnte jetzt kokettieren und sagen,
ich bin immer nur mir gefolgt. Das
stimmt aber nur bedingt.

Was Ihnen als Grundthema über Ihre ganze
Karriere hinweg und in Ihren neuen Liedern
folgt, ist die Sehnsucht. Das Sich-Verzehren
nach Liebe und Nähe. Ist das auch
ein Zeichen für Unerfülltheit?
Bestimmt. Oder für die Angst, etwas verpasst
zu haben. Ich zeige das ja auch auf
der Bühne, in Sketchen. Meistens bediene
ich mich an Jacques Brel, wenn es um
Liebe oder Sexualität geht. Ich kann besser
über ihn reden als über mich. Ich war
in meiner Jugend sehr zurückhaltend
und schüchtern, ideale Voraussetzungen,
um ein Riesensänger zu werden,
und musste lernen, das, was ich mache,
gut zu finden. Aber das bestimme ich ja
nicht allein, da wird einem hereingeredet,
man konzentriert sich auf das, was
Erfolg hat. Aber ob das erfüllend war? So
eine Bilanz kann ich auch mit fast 70 Jahren
noch nicht ziehen.

Haben Sie in der Corona-Zeit besonders
große Sehnsucht nach Ihrem Publikum?
Ich bin da viele Jahre lang sehr verwöhnt
gewesen und habe jetzt zuletzt vor 100
Leuten gespielt, das ist schon harter Tobak.
Auf der einen Seite vermisse ich das
Publikum sehr, auf der anderen Seite soll
es mir in diesen Zeiten nicht zu nahe
kommen. Ein merkwürdiger Widerspruch.
Und ich war am Beginn eines Abends wieder so nervös wie ein An­fänger.

Im Lied „Ich würde es wieder tun“ erzählen
Sie von der Angst drei Minuten vor dem
Auftritt, die geradezu „zum Kotzen“ sei. Das
ist immer noch so, nach mehr als 50 Jahren
auf Theater- und Konzertbühnen?
Ich singe, um die Angst zu überwinden,
das klappt jetzt schon sehr gut. Früher
dauerte es bis zur Pause, ehe ich locker
war. Ganz am Anfang dauerte es sogar
bis Konzertende.

Wir stehen vor einem langen Winter der
Einkehr. „Septemberherz“ ist als reflektierendes
und nachdenkliches Album wie gemacht
für diese Zeiten. Sind die Lieder während
der Pandemie entstanden?
Verrückterweise sind sie bereits vor anderthalb
Jahren entstanden. In Griechenland.
Aber aufgenommen haben wir
sie in den vergangenen Monaten, und
das spiegelt sich dann auch wider. Es hat
mich sehr bewegt, in der Erkenntnis der
eigenen Endlichkeit zu singen.

Mit wenigen Ausnahmen wie „Stein auf
Stein“ haben Sie sich in Liedern und Interviews
vor politischen Inhalten gehütet.
„Politische Lieder sind peinlich“ ist ein Zitat
von Ihnen. Jetzt lassen Sie es in „Basta“ ordentlich
krachen: „Er ist wieder da, der alte
Quälgeist“, „Der Hass ist wieder da“ und
„Mein Bruder Joshua trägt die Kippa nur
noch heimlich, an seiner Tür lädt auch kein
Name ein“ singen Sie, begleitet von kernigem
Bluesrock. Wie kam es zu diesem Lied?
Das war eine Verpflichtung, inspiriert
vom französischen Anarchisten Léo Ferrét,
seinem Album „Et … Basta!“ und von
den Moody Blues. Mit dem Arbeitstext
bin ich dann zu meiner Band gegangen,
und die ist aufgesprungen und hat gesagt:
„Das wird jetzt einfach gemacht.“
Finden Sie, dass es altmodisch klingt?
Ich halte es da mit der Entgegnung Ihres
Idols Bob Dylan 1966 in Manchester, als jemand
„Judas“ rief, weil er elektrische Gitarre
spielte: „Play it fucking loud.“ Laut ist nie
altmodisch.
Vielen Dank, das ehrt uns sehr. Nicht nur
Jacques Brel und Bob Dylan, auch Van
Morrison, Bruce Springsteen und David
Bowie sind Künstler, die es schaffen, etwas
in mir aufzubrechen, was ich nicht
erklären kann. Da gab es auch Irrtümer.
Auf den ersten Platten war ich ja viel lauter
als heute. Joan Baez hat mir mal geraten,
einfach leiser zu singen.
Lieder müssen ja nicht laut sein und können
trotzdem deutlich werden. So wie „Was sie
trugen“. Das kann auf vielerlei Art in Hinsicht
auf Verlust von Heimat gehört werden.
Es lässt sich auf das geteilte Berlin ebenso
übertragen wie auf das heutige Afghanistan
oder Syrien ...
Ich habe einige Lieder noch nicht geschrieben,
die die Geschichte weitererzählen
und die sehr böse werden könnten.
Ich verstehe einige Freunde von mir,
die es immer ins Ausland zieht, weil sie
sich unter Fremden wohler fühlen als
unter den eigenen Leuten.

Klaus Hoffmann: „Septemberherz“
Album (Stille Musik) ab 7.11. im Handel; Konzert:
Di 16.3.2021, Elbphilharmonie, Vvk. in Kürze;
www.stille-musik.de
Berliner Kurier 07.10.2020
Klaus Hoffmann - Corona war meine innere Achterbahn
Der Schauspieler und Liedermacher kehrt nach langer Pause mit Brel-Chansons auf die Bühne zurück
Klaus Hoffmann (69) singt Brel. Chansons über Wehmut, Liebe, Mut und Abschied. Es ist der erste große Konzertabend des Berliner Liedermachers seit Monaten. Begleitet wird Hoffmann in der Bar jeder Vernunft von Hawo Bleich am Flügel. Dass die zwei überhaupt schon wieder auf der Bühne stehen, hätte wohl keiner von beiden gedacht. Hoffmanns künstlerisches Leben stand coronabedingt still. Wie das Leben so vieler Künstlerinnen und Künstler in diesen Tagen. Jetzt ist er wieder da. Und Jacques Brel, diesen großen Tröster aus Belgien, der 1978 starb, den singt er nicht zum ersten Mal. Warum jetzt wieder? "Als ich jung war, traf Brel auf Hoffmann. Ich singe ihn heute anders", erklärt der Schauspieler und Liedermacher dem Berliner KURIER. "Brel ist und war eine Haltestange für mich und wird es immer sein. Ein Wertebarometer. Also ist er ein guter Begleiter in dieser unsicheren Zeit".
Die unsichere Zeit: Hoffmann kann im Wortsinn ein Lied davon singen. Der Stillstand wegen Corona fiel ihm erst leicht, dann wurde es "existenziell, dann wieder gut", wie er sagt. "Eine Auszeit. In der Hoffnung, es geht weiter. Ein derartiges Virus bringt alles Verborgende zu Tage".
Ein halbes Jahr ohne Publikum -für Sänger kann es tatsächlich kaum etwas Schlimmeres geben. Für Hoffmann entwickelte sich die Pause zu einer "inneren Achterbahn". Immerhin konnte der singen, schreiben und planen. "Wer das als Selbstständiger nicht annehmen kann, ist verloren.Von den Finanzen ganz zu schweigen. Aber es hat wohl seinen Sinn, wenn man nur gesund bleibt".
Was können wir von Brel in Zeiten der Pandemie lernen? "Weitermachen. An das Leben glauben, weil es den Tod gibt. An die Liebe und unsere Zärtlichkeit. Nicht stumm werden!" Weitermachen um jeden Preis? Nicht, wenn die Leute den Bogen überspannen und leichtsinnig werden, warnt Hoffmann. Für Leute, die auf die Straße gehen und plump gegen Corona-Maßnahmen protestieren, bringt er nur bedingt Verständnis auf, obwohl er selbst mit den Protesten der 68er-Generation groß geworden ist: "Und von Verschwörungstheo-rien halte ich gar nichts. Es ist gefährlich,das Virus zu übersehen. Auch dem Nächsten gegenüber. Corona ist kein Traum, keine Erfindung. Wir sollten sehen, was uns zusammenhält. Mitgefühl und Verständnis für jedes Leben".
Im kommenden Jahr wird Hoffmann 70 Jahre. Wenn man ein derart gelungenes Künstlerleben hat wie er, könnte einem das eigentlich schnuppe sein, oder?, frage ich ihn. "Wie das?", fragt er zurück. "Ich bin froh, eine Stimme zu haben, mich durch meine Lieder und Geschichten zeigen zu können. Ich werde immer dankbar sein, für den Weg, den ich machte. Und der hoffentlich noch weitergeht. Kunst ist ein Lebensmittel - wie sollte ich es lassen?"
Der Konzertabend "Klaus Hoffmann singt Brel" startete gestern um 20 Uhr in der Bar jeder Vernunft (Schaperstraße 24) und läuft bis 11. Oktober. Am 1. und 2. Dezember ist er dann noch einmal mit dem Chanson-Abend im historischen Spiegelzelt zu sehen. Gespielt werden unter anderem "Les Bourgois" ("Die Spießbürger"), "Amsterdam", "Marieke", Jacky" und Ne me quitte pas" ("Geh nicht fort von mir"). "Die Marquesas" ist ein Lied von Brels letzter Schallplatte. Grundlage sind Partituren des Komponisten und langjährigen Brel-Arrangeurs Francois Rauber. Er arrangierte auch drei Alben für Klaus Hoffmann.
Karim Mahmoud
Tickets an der Abendkasse kosten ab 30,40 Euro, ermäßigte Karten ab 12,50 Euro.
Aachener Zeitung 14. März 2020:
"Als wäre es ein Stück von ihm"
Zwei Brüder im Geiste: Klaus Hoffmann singt Jacques Brel. Ein Gespräch über Meinungen und persönliche Sehnsüchte. Das Konzert im Aachener Eurogress wird auf den 26. November verlegt.
VON MICHAEL LOESL
Das umfassende Werk des großen
Chansonniers Jacques Brel hat
Klaus Hoffmann schon immer beeinflusst. Nun geht er erneut mit einem Programm mit Stücken des Belgiers auf Tournee. In dessen Liedern darf man aber auch ganz viel Hoffmann entdecken, wie der
68-Jährige im Interview offenbart.
Herr Hoffmann, Ihre Lieder haben sich manchmal erst in Gänze erschlossen, nachdem man sie zwei oder drei Jahre lang
gehört hat. Geht Ihnen das manchmal auch so?

Klaus Hoffmann: Meine Lieder laufen mir immer vorneweg. Wenn ich betrachte, wie viele Lieder ich erst jetzt, im betagten Alter, richtig umsetze, dann stelle ich fest, dass ich
sie immer vorausgeschickt hatte. Das geht mir auch so. Es ist eigentümlich.

Sollten wir besser ein Gespräch führen, in dem wir nur Rückblick auf Ihre Lieder halten?
Hoffmann: Das wäre vielleicht spannend, aber ich möchte Sie höflich bitten, damit noch zehn Jahre zu warten.

Sie richten ja auf Ihrem aktuellen Live-Album
„Aquamarin – In der Philharmonie
Berlin“ den Blick bereits ein wenig zurück
auf IhrWerk. Warum entstehen Ihre Live-Mitschnitte eigentlich vornehmlich in Berlin? Sind Ihre Konzerte im Rest der Republik öffentliche Proben, bevor die
Kür in Ihrer Heimatstadt folgt?

Hoffmann: Ich habe auch schon in Köln und Düsseldorf aufgenommen. Aber meistens starten und enden meineTourneen in Berlin. Live-Aufnahmen, die ich hier am
Ende einer Tournee mitschneiden lasse, sind dann oft wie ein Spiegel der eigenen Entwicklung. Dazu kommen noch die unterschiedlichen Atmosphären, die Berliner Spielstätten in sich tragen. Der Friedrichstadt-Palast liegt im Osten, das merkt man immer noch. In der Philharmonie schwingt hingegen eher eine Art West-Melancholie
mit.

Und was schwingt im Aachener Eurogress mit?

Hoffmann: Das Eurogress ist wieder so ein Ding für sich, mit eigener Gesetzmäßigkeit, die bisweilen ein bisschen blümerant wirken kann. Ich habe ja vor vielen Jahren auch im Aachener Audimax gespielt. Das ist so lange her, es kommt mir fast so vor. als ob es vor dem Krieg gewesen wäre. Dort fing die erste Reihe direkt vor meinen Knien an, was eine Mensa-Seligkeit schuf, die auch schön war.

HannesWader hat sich von der Bühne verabschiedet,
Paul Simon will nicht mehr auf
Tour gehen, Phil Collins hingegen lässt sich vermutlich noch im Rollstuhl auf die Bühne
schieben.Welche Optionen haben Sie?

Hoffmann:Am Ende kann man immer noch den Narzissmus als Motor nutzen. Meine Bühnenfigur ist viel mehr Vaudeville oder der Anzugträger vom San-Remo-Festival als Liedermacher, Singer-Songwriter und Popstar.
Wenn man dicker, kleiner und zunehmend haarloser wird, muss man sich entscheiden, ob es mit einer solchen Figur überhaupt weitergehen kann. An dieser
Weggabelung stehe ich gerade mal wieder.
Und gleichzeitig befinde ich mich in der Produktion
für das Brel-Programm. Solche Reibungen braucht man als Bühnenmensch.

Sie bezeichnen Jacques Brel als Zustand.
Können Sie diesen Zustand beschreiben?

Hoffmann: Das ist wie eine Grippeschutzimpfung.
Du weißt, was da abgeht, nimmst
aber in Kauf, dass es dich danach erst richtig umhaut. Oder du bist froh,wenn du dich
darauf eingelassen hast. Der Zustand Brel – das habe ich früher mal gesagt, um dieses
Feuer zu beschreiben, was Brel bei mir erzeugt, um auf der Bühne brennen zu können.
Aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde es nicht normal, dass einer einen
anderen nachsingt.

Trotzdem holen Sie Brel jetzt nochmal aus der Kiste raus?

Hoffmann: Der hat mir einfach viel Erde gegeben. Ich glaube, er ist für mich alle sechs oder sieben Jahre ein Geländer, an dessen Meisterhaftigkeit ich mich zwischendurch mal festhalten möchte. Aber Brel hat auch etwas Brüderliches, denn auch er hat ja nur gesungen und geschrieben, bis er gestorben
ist. Zweimal eine Stunde lang auf der Bühne zu sein, das ist das Phänomen Brel für mich. Diesen Satz habe ich jetzt nur formuliert,um noch etwas Gutes, etwas Nützliches daran zu setzen. Jungen Leuten mag es suspekt sein, wenn ein Alter einen noch Älteren singt.

Hat Altmodisches nicht ohnehin wieder Konjunktur?

Hoffmann: Ich befinde mich mit meinem aktuellen Bühnenprogramm natürlich schon im Museum, aber man kann auch heute noch eine Menge anfangen mit Brel. Scheu,
wie er war und wie er gelitten, geliebt und gelebt hat, legte er einen beeindruckenden Weg zurück. Eine ähnliche Spur habe ich jetzt bei Van Morrison entdeckt, von dem ich mir ein Doppelalbum gekauft habe:„The
Healing Game“. Der erzählt auch gerne von der Möglichkeit, Liebe, Lust, Leidenschaft und den Tod als Mittel zum Singen zu begreifen.

Haben Sie den Brüsseler Stadtteil Schaerbeek besucht, in dem Brel geboren wurde?

Hoffmann: Ja, ich war mit seiner Witwe Thérèse unterwegs und habe all die Orte in Brüssel gefunden, wo er immer gewesen
war. Wir haben Muscheln und Fritten in der Kneipe gegessen, die er regelmäßig frequentierte.
Ich kenne auch seine Tochter France, die mir den Kontakt zu seinem Arrangeur François Rauber vermittelte.

Ist die eigentliche Verbindung zwischen Ihnen und Brel nicht die Sehnsucht nach Ausbruch aus dem Bürgerlichen?

Hoffmann: Brel war Großbürger-sohn, der seine Verwundbarkeit, von der er sang, erst fand, als er sein Nest verlassen hatte. Sonst wäre er daheim zuTode parfümiert worden. Das kenne ich auch, aber ich war nicht sobehütet wie er. Das Phänomen der Sehnsucht, rausgehen zu wollen, ist mir hingegen wohl bekannt, das stimmt.

Sie waren ja nicht nur auf Brels, sondern auch auf Charles Aznavours und Georges Moustakis Fährten unterwegs. Haben Sie mit der Spurensuche in Frankreich Ihre Sehnsucht, aus dem hiesigen Liedermacher-Zirkel wegzukommen, gefüttert?

Hoffmann:Vielleicht kommst du dir als Sänger selbst näher,wenn du dein Jackett besser ausfüllen kannst, nachdem du einen ganz
Großen wie Aznavour kennenlernen durftest.In Deutschland gab es, im Vergleich zu Frankreich, kaum diese väterlich alten Sänger
für mich, die mich groß werden ließen.
Mit Schrecken stelle ich gerade fest, dass die inzwischen alle tot sind. Wahrscheinlich dienten die mir in erster Linie als Voroder Nachbilder, damit ich sehen konnte, wie sie es in der Blüte ihrer jeweiligen Arterien-verkalkungen machten.

Hand aufs Herz, Herr Hoffmann: Ist nicht vor allem die Selbstsuche Ihre kreative
Triebfeder, bei der Ihnen der idealistische, große Bruder Brel behilflich ist?

Hoffmann: Ja, sicher. Mein Freund Reinhard Mey und auch Hannes Wader zeichneten andere Wege vor. Die bewegten sich,
aus der Tradition von François Villon kommend, über die rebellischen 68er mit Gesellschaftskritik hin zu älteren Sängern wie Brassens. Der Brel führt dich zu dir selbst, weil er so widersprüch-lich ist. Er ist Text, er ist eine Figur, aber seine Lieder sind meine.

Hat Sie der Weg nach Hause, zu Ihnen selbst, einen weiten Bogen um konkrete politische Äußerun-gen ziehen lassen, die in Ihrem Werk praktisch nicht auftauchen?

Hoffmann: Ich finde, dass ich immer sehr nahe am Zeitgeist dran war. Aber ich komme dabei aus einer anderen Ecke. Meine
Zeile, so abgegriffen die auch war, lautete immer: werde, was du bist. Den vielen ideologisch geprägten Büchern und Dogmen
begegne ich seit der Lektüre von Mao Zedong mit Misstrauen. So habe ich‘s eigentlich mein ganzes Leben lang gemacht.
Aber jeder Mensch, auch der Künstler, soll immer selbst darüber verfügen dürfen, worüber
er spricht, malt oder singt. Sonst gerät man nämlich in doktrinäre Strukturen, die allesamt Pleiten waren. Die Geschichtsbücher sind voll davon.

Geht es angesichts der Allmacht des Internets überhaupt noch, keine Meinung zu haben?

Hoffmann:Mein geliebter Kollege Konstantin Wecker sang oder sagte kürzlich: „Greta,
mach weiter, die Welt muss weiblicher werden.“
Toll! Das bedeutet in der Fernsehwerbung, dass nicht mehr das Auto, sondern der Kata-lysator beworben wird. Vielleicht ist es dem Konstantin entgangen, dass es unter den Frauen genauso viel Bedauer-liches gibt wie unter den Männern. Ich sage Ihnen jetzt
zum Schluss etwas: Nach der Brel-Tour setze ich mich zuHause hin, bestelle mir einen
fahrbaren Mittagstisch und enthalte mich jeglicher Meinung.

Dafür sind Sie meiner Meinung nach noch viel zu sehr auf der Suche.

Hoffmann: Ich bin der Meinung, dass Sie recht haben.

Das Konzert im Aachener Eurogress wird auf den 26. November verlegt.
Klaus Hoffmann wurde am 26. März 1951 in Berlin geboren. Er machte eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann, gastierte
aber parallel bereits in einschlägigen Berliner
Szenekneipen mit Gitarre und eigenen Liedern. Nach dem Ausbildungsabschluss riss Hoffmann erstmal Richtung Afghanistan aus. Wieder zurück in Berlin, besuchte er die
Max-Reinhardt-Schule und absolvierte eine Schauspiel-ausbildung.
Ab 1974 folgten Engagements im Hamburger Thalia-Theater und an der Freien Volksbühne Berlin. Bekannt wurde er in der Verfilmung von Ulrich Plenzdorfs „Die Leiden des jungen W.“, in der er die Hauptrolle spielte.
1975 erschien sein erstes Album „Klaus Hoffmann“, dem bis heute knapp 50 Einspielungen folgten. 2012 erschien seineAutobiografie
„Als wenn es gar nichts wäre“.
Wegen des Coronavirus ist das Konzert von Klaus Hoffmann, das am Sonntag, 22. März, im Brüssel-Saal des Aachener Eurogress stattfinden sollte, auf den 26. November
verlegt worden. Tickets behalten ihre Gültigkeit, können aber auch an den Vorverkaufsstellen
zurückgegeben werden.
Berliner Morgenpost 20. Februar 2020:
Klaus Hoffmann singt Brel - große Chansonkunst
Außergewöhnliches Konzert in der Bar jeder Vernunft
Ulrike Borowczyk
So stellt man sich einen Start nach Maß vor: der Chansonnier dekliniert erst "Die Vornamen von Paris" durch und gibt sich dann in "Der Spießer" gesellschaftskritisch. Aufwühlend, voller Furor und musikalischem Pathos. So geht das klassische Brel-Gefühl. Dass Klaus Hoffmann es aus dem Effeff beherrscht, weiß man. Doch diesmal haben sich noch ganz andere Töne eingeschlichen. sie sind heiter und weise, nachsichtig mit den allzu menschlichen Schwächen. Aber auch melancholisch, weil sie durch die Endlichkeit geprägt sind.
Über zwei Jahrzehnte nach seinem Triumph mit dem Musical "Brel - Die letzte Vorstellung" steht er wieder mit "Klaus Hoffmann singt Brel" auf der Bühne, feiert in der Bar jeder Vernunft mit seinem außergewöhnlichen Konzertabend Premiere. Und gesteht: "Das im Schiller-Theater damals war ein Missverständnis. Ich war nicht Brel. Ich wollte werden, was ich war. Und das musste ich erst finden." Die Quintessenz könnte Sänger, Liedermacher oder Chansonnier lauten. Doch so einfach ist es nicht.
Von Hawo Bleich am Flügel begleitet mit den Partituren, die einst Brel-Arrangeur Francois Rauber für Klaus Hoffmann schrieb, arbeitet sich der Berliner Musiker an der Chanson-Ikone ab. So scheint es zumindest. Doch Hoffmann spielt Hoffmann. Und der kennt und versteht seinen Brel besser als jeder andere. Selbst, wenn er manchmal leicht daran verzweifelt. Was zuweilen leicht verwegen und in jedem Fall urkomisch ist. Gekonnt schneidet Hoffmann seine Vita kontrapunktisch gegen die von Brel.
Letztlich trägt Hoffmann Brel zu Grabe. Der starb
mit nur 49 Jahren an Krebs. Hoffmann zeigt nun, wie Brel hätte sein können, wäre er 69 geworden. Sein Vortrag ist deutlich lässiger, teils ironischer als vor 20 Jahren. Es gibt einige Songs aus Brels letztem Album. Die meisten indes kennt man. Wie "Marieke" oder "Bitte geh nicht fort". Damit setzt Hoffmann einen zweiten Kontrapunkt, stellt seinen launigen Betrachtungen eine authentische Performance gegenüber. Mit Hoffmann-Gefühl. Ganz große Chansonkunst.
Badische Zeitung 10. Februar 2020:
"Die auch nicht eine winzige Spur
angerostete Liebe zu Brel"
Der wunderbare Chansonier und Erzähler Klaus Hoffmann plaudert in Lahr mit dem Publikum, singt Protestsongs und feiert Jacques Brel.Klaus Hoffmann, ansonsten virtuos am Flügel begleitet von Hawo Bleich, schnappte sich für einige Solonummern die Gitarre.
Von Ulrike Le Bras
Alte Liebe rostet nicht. Das haben die vielen Besucher am Freitagabend in der Form demonstriert, dass sie die Stuhlreihen des Lahrer Parktheaters bis in die Ränge hinauf nahezu komplett besetzt haben, um ihn zu erleben: Klaus Hoffmann. Der Chanosonnier alter Schule, auch dieses Mal virtuos begleitet von seinem Pianisten Hawo Bleich, ist in Lahr kein Unbekanner und wer ihn einmal auf einem seiner zahlreichen Tonträger gehört oder gar live gesehen hat, der weiß, dass, wo immer er auftritt, sich die Kunst der Musik mit der Kunst des Erzählens aufs Erfrischendste verbinden wird.
Wo er die Bühne betritt, kommt zusammen, was normalerweise getrennt unterwegs ist: der Herr reiferen Alters im gediegenen dunklen Anzug, der mit theatralischer Weltumarmungsgeste ins Rampenlicht tritt. Und sich wenig später für mehrere Chansons die Gitarre um den Hals hängt, so dass plötzlich die Zeit der jugendlichen Protestsänger der Hippie-Ära vor einem ersteht, ohne dass man das als Bruch empfindet. Was auch am unvergleichlichen Stil liegt, in dem Hoffmann zwischen den Gesangsstücken erzählt: Eigentlich soll laut Programm an diesem Abend ja Jacques Brel thematisch im Zentrum stehen, doch Hoffmann spricht im lockeren Plauderton über Gott und die Welt, flicht mit einer sympathischen Portion Selbstironie Fetzen seines Werdegangs als Mensch und Musiker in seine Erzählungen ein. Eingefleischte Hoffmann-Fans kennen die Anekdoten seines Trips nach Goa via Afghanistan nur zu gut, hören sie aber jedes Mal erneut mit größtem Vergnügen. Unvermittlet verbindet er dann seine eigene Geschichte mit der von Jacques Brel, springt so rasant aus einer Biografie in die andere, dass der badisch gemütliche Zuhörer stellenweise Mühe hat, dem Tempo der teils irrwitzigen Übergänge von einem zum anderen Chanson zu folgen: Da geht es von der Familie zur Suche nach sich selbst, vom Altern über die Blasenspiegelung zum Sterben, von den Frauen zur Musik zur aktuellen politischen Situation in Thüringen.
Doch immer wieder bekommt er den Dreh zu seiner nicht mal eine winzige Spur angerosteten alten Liebe Jacques Brel, die er mit seiner ungewöhnlichen Art der Interpretation bis heute in frischem Glanz erstrahlen lasst.
Die pure Poesie bricht sich da Bahn in seinen Übertragungen der Originaltexte, die nie nur Übersetzungen, sondern sprachlich kunstvoll und fein gearbeitete Neuschöpfungen sind: im Walzertaumel mit flämischen Sprengseln die "Marieke", in schöner Natur-Romatik das "Flanderland", jugendlich frech-komisch der "Spanier", immer atemloser werdende Wort-Akrobatik beim "Walzer der 1000 Takte", elegant frei übersetzt "Amsterdam", wo sich "Dans Le Port" als "In den Kais" einfach flüsser singen lässt als "im Hafen". Und dann natürlich auch "Bitte geh nicht fort" - das in der Version von Hoffmann das verzweifelte Flehen noch zarter zum Ausdruck bringt als das Original. Das Lied "Wenn uns nur Liebe bleibt" setzt mit dem für Hoffmann typischen Wechsel von sanft zu energisch, von trotzig zu ergeben den zauberhaften Schlusspunkt unter einen Konzertabend der besonderen Art.
Baden online, Nachrichten der Ortenau 10. Februar 2020:
Chanson-Abend im Lahrer Parktheater
Klaus Hoffmann reiste mit Jacques Brel bis in die Südsee
Von Jürgen Haberer
Seit Jahrzehnten wandelt der Schauspieler und Sänger Klaus Hoffmann auf den Spuren des Chansoniers Jacques Brel. Er hat dessen Lieder ins Deutsche übertragen und ein Musical geschrieben. Am Freitagabend gastierte er wieder einmal in Lahr.
Rund ein Jahrzehnt nach seinem letzten Auftritt in Lahr fokussiert sich Klaus Hoffmann einmal mehr auf seine musikalische Hommage an Jacques Brel. Der Schauspieler und Sänger aus Berlin spult nicht einfach nur die Lieder des bereits 1978 verstorbenen Chansoniers aus Belgien ab. Er hat viele seiner Lieder ins Deutsche übertragen, gemeinsam mit Francois Rauber, dem langjährigen Arrangeur mund Weggefährten Brels. Und er hat den Plot für ein Musical entworfen, das Jacques Brel Leben Revue passieren lässt.
In seine Konzerte lässt Hoffmann auch Schlaglichter seiner eigenen Biografie einfließen. Jacques Brel hat sich gerade von der Bühne zurückgezogen, als der junge Klaus Hoffmann 1969 nach Afghanistan aufbricht. Nach seiner Rückkehr fasst er Fuß in der deutschen Liedermacherszene. Er sucht nach seinem ganz persönlichen Lied und landet dabei aber auch bei Jacques Brel, von dem er bereits auf seinem ersten Album im Jahr 1975 mit "Ces gens-lá", "Amsterdam" und "Adieu Emile" drei Stücke in der deutschen Übersetzung veröffentlicht. Der vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren erfolgreiche Chansonier wird zu einem imaginären Begleiter, auch wenn ihn Klaus Hoffmann nie persönlich getroffen hat.
Über Liebe und den Tod
Der mittlerweile 68-jährige Sänger und Schauspieler kann zwar nicht annhähernd an den expressiven Vortragsstil von Jacques Brel anknüpfen. Er erschließt dessen Oeuvre aber dem deutschsprachigen Publikum, taucht ein in die oft melancholischen, manchmal auch fast zornig anmutenden Verse über verflossene Liebschaften und gesellschaftliche Missstände, über das Altern und den Tod.
Das Konzert im sehr gut besuchten Parktheater in Lahr, überzeugt vor allem im Kontext einer liebevoll gestalteten Reminiszenz, in deren Verlauf rund zwei Dutzend Chansons von Jacques Brel erklingen. Klaus Hoffmann und sein Pianist Hawo Bleich huldigen dem am Beginn seiner Karriere oft verspotteten Sänger mit den Segelohren. Sie schwingen sich mit ihm auf zum Olymp des französischen Chansons. Und sie folgen dem zu diesem Zeitpunkt bereits an Lungenkrebs erkrankten Jacques Brel in die Südsee. Dabei thematisieren sie dessen Verse über den Tod, der in der Musik Brels fast so präsent ist, wie wechselnde Liebesgeschichte und Dreiecksverhätnisse.
Es ist ein intimer Abend, dessen Stärke in seiner feinen Melancholie liegt, in den sorgsam eingestreuten Momenten, in denen sich die Musik verdichtet und förmlich überhitzt. Dazwischen immer wieder Gedanken und Erinnerungen, ein bisweilen auch kritischer Blick auf den Mythos Jacques Brel. Hoffmann rezitiert und würdigt ihn. Er macht seine Lieder und ihre Poesie verständlich und entführt das Publikum so in die Welt des Chansons.
Neue Osnabrücker Zeitung, 20.01.2020:
Hoffmann huldigt den Frauen
"Klaus Hoffmann singt Brel" im Theater Osnabrück
Von Tom Bullmann
Da steht er in seinem schwarzen Anzug im Scheinwerferlicht, nestelt nervös an den Taschenklappen seines Jacketts herum, beugt leicht
die Knie und macht auf "schüchterner Verliebter". So lieben seine Fans ihren Klaus Hoffmann. Egal ob er singt, ob er liest oder ob er den charmanten Conferencier gibt, das Osnabrücker Publikum lässt den Berliner Liedermacher und Schauspieler nicht ohne stehende Ovationen aus dem Haus.
Hoffmann sorgt aber auch dafür, dass es mit ihm in Osnabrück nicht langweilig wird. Seinen vorweihnachtlichen Liederabend absolvierte er zunächst im Rosenhof, den er 2013 zweimal hintereinander ausverkaufte. Daher zog er danach in das Osnabrücker Theater um, das zwar nicht so intim daherkommt, dafür aber mit mehr Sitzplätzen aufwartet. Zwischendurch gastierte er auch mal mit einer Lesung im Hotel Remarque, um jetzt, im neuen Jahr, im Theater seinem großen Vorbild Jacques Brel Tribut zu zollen.
Ob "Madeleine", "Marieke" oder "Mathilde", wie der Belgier, der zeitlebens gern ein Franzose sein wollte, huldigt Hoffmann den Frauen. Er schwärmt von Paris und singt voller Inbrunst vom "Flachen Land" Flandern. Traurige Lieder über unerfüllte Liebe, über den Krieg, über die Alten, die gehen, ohne sich zu verabschiedenb, und über das Sterben an sich fängt er gekonnt mit heiteren Songs wie "Die Bonbons" und Evergreens wie "Amsterdam" auf, damit die Stimmung nicht zu bedrückt wird.
Wie seit Jahren üblich begleitet Pianist Hawo Bleich den Chansonnier mit dem Flügel. Hoffmann entwirft dazu seinen ganz eigenen Brel. Die Übersetzungen ins Deutsche, überwiegend von ihm selbst, singt er auf seine Art. Dabei kann er es nicht lassen, die eigene Biografie in seinen Moderationen unterzubringen. Ob die Kindheit in Berlin, der Verlust des Vaters, die Flucht nach Afghanistan, man kennt die Geschichten, die er im Plauderton wie immer mit viel Gefühl, Humor und begleitet von intensiver Gestik vorträgt.
Dennoch ist offenbar etwas anders: "In dem Lied "Geh nicht fort" kommen die "Perlen aus Regen" jetzt nicht mehr "aus einem Land, wo die Sonne nur brennt". Heute ist er näher am Original, wenn er singt:,..aus einem Land, wo es nicht regnet", erklärt Claudia. Sie ist Brel-Fan und genießt besonders den zweiten Teil des Abends, in dem sich Hoffmann den dunklen, tragischen Liedern widmet.
Mit "Le Moribond" verabschiedet sich Klaus Hoffmann von seinem begeisterten Publikum. Der Song wurde in den 70er-Jahren von dem kanadischen Sänger Terry Jacks als Basis für seinen Welthit "Seasons in the Sun" genutzt. Mit dessen fantastischer Melodie im Kopf entlässt der Liedermacher sein Publikum in die Nacht.
Allgemeine Zeitung, Billerbecker Anzeiger, Montag, 02.09.2019
Billerbeck
Ein ganz besonderer Zauber
Von Sigrid Muddemann
Es ist schon ein ganz besonderer Moment, als Klaus Hoffmann am Samstagabend die Bühne der Freilichtbühne in Billerbeck betritt. Sofort baut sich zwischen dem beliebten Künstler und seinem Publikum eine faszinierende Beziehung auf. Insgesamt ist Klaus Hoffmann zum vierten Mal in Billerbeck, und er betont, dass er immer wieder gerne kommt. „Leute, das Verkehrschaos ist vorbei, alle sind da, es kann beginnen,“ scherzt Hoffmann schon zum Anfang seines Konzertes.
Der deutsche Liedermacher und Schauspieler Klaus Hoffmann begeisterte das Publikum am Samstagabend sowohl mit schnellen Liedern als auch mit gefühlvollen Zeilen. Auch sein Wortwitz, der immer wieder zum Vorschein kam, sorgte für beste Unterhaltung auf der Freilichtbühne.
Es sind 750 begeisterte Fans, die seinen lebhaften Liedern, aber auch seinen leisen Tönen lauschen. Sein neues Album heißt „Aquamarin“ und da sind es einige neue Lieder, die beim Publikum sehr gut ankommen. Aquamarin, der Stein der Seeleute, der sicheres Geleit und Glück auf dem Meer verspricht. Und so war es damals auch immer wieder die Aufforderung seines Vaters, das Lied vom Meer zu singen. Als er dieses Lied dann an diesem Abend auf der Freilichtbühne erklingen lässt, herrscht eine ganz besondere Stimmung. Die Besucher haken sich unter, bewegen sich zu der mitreißenden Melodie, ein ganz besonderer Zauber breitet sich aus.
Immer wieder bindet Klaus Hoffmann sein Publikum mit ein, manchmal wechselt der Gesang zwischen ihm und seinem Publikum hin und her. Und dann ist es auch der besondere Wortwitz, der beim Publikum einfach gut ankommt. „Meine Knochen knacken, ich glaube, ich wachse noch,“ gibt Hoffmann zum Besten. Aus seinen Zeiten in den Clubs von Berlin erzählt er, dass Karl Dall sein Auge auf ihn geworfen hätte. „Und ich gab es ihm auch nicht wieder“, berichtet er mit einem verschmitzten Lächeln. Seine Lieder sind gespickt von seiner Kindheit, der Jugend und ein Spiegelbild seines Lebens.
Geboren wurde Klaus Hoffmann im Jahr 1951 in Berlin-Charlottenburg. Seine ersten Auftritte mit eigenen Liedern machte er in der Clubszene der Hauptstadt. Klaus Hoffmann wird am Klavier von Hawo Bleich begleitet, die beiden Musiker sind seit vielen Jahrzehnten befreundet. So begeistern unter anderem die gefühlvollen Zeilen des Liedes „Dann war er König der Kinder“ das Publikum genauso sehr wie die schnelleren Stücke.
Leider spielte das Wetter nach der Pause nicht mehr mit. Aber selbst der prasselnde Regen tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Alle Zuschauer hörten weiter zu – keiner ging vorzeitig nach Hause.
Am Ende gab es dann auch mehrere Zugaben, bevor das Publikum Klaus Hoffmann von der Bühne ließ. Nicht ohne ihm mit stehenden Ovationen große Achtung für ein tolles Konzert zu zollen – und mit einer leuchtend roten Rose, überreicht durch eine begeisterte Zuschauerin.
Neue Westfälische, 18.06.2019 -
Klaus Hoffmann bringt gesungene Poesie ins Kloster Dalheim
Blumen und Beifall für Klaus Hoffmann: Am Ende des Konzerts wird der Berliner von seinen Fans per frenetischem Schlussapplaus verabschiedet.Der Berliner Chansonier Klaus Hoffmann beendet den musikalischen Reigen im Kloster Dalheim. Wovon er seinen Fans singend berichtet.
Dietmar Gröbing
Der Berliner Liedermacher Klaus Hoffmann nimmt seine Fans mit auf eine musikalische Reise
680 Damen und Herren lockte Klaus Hoffmann zur Kaffee- und Kuchenzeit in die kontemplative Klosteroase. Mit der Ruhe war es allerdings vorbei, als Hoffmann und sein Begleitmusiker in die Saiten griffen. Ein bisschen zumindest, wurde ein bestimmter Lautstärkepegel doch nie überschritten. Was positiv zu werten ist. In der Ruhe liegt die Kraft.
Und in der Melancholie, der beinah ohne Unterlass das klingende Wort geredet wurde. Es war wohlgemerkt eine positive Melancholie, die Klaus Hoffmann unter die Leute brachte. Eine beschwingte Nachdenklichkeit, die auf dem deutschsprachigen Musikmarkt ihres gleichen sucht. Jene Nachdenklichkeit durchzieht zugleich Hoffmanns aktuelles Album „Aquamarin", sein mittlerweile 42.(!), wie ein roter Faden.

Der Aquamarin gilt als Glücksstein fahrender Seeleute und steht für Aufbruch und Ankunft. Genau davon singt Klaus Hoffmann. Und scheint deshalb ganz bei sich angekommen zu sein. Dennoch bleibt der Berliner ein Suchender.

Wohlgemerkt innerhalb der erzählten Geschichten, die niemals banalen Charakter besitzen. Hoffmann hat etwas zu sagen beziehungsweise zu singen. Das Beste daran: Man hört ihm gern zu.

Die Illusion wird für den Moment Realität

Etwa, wenn er mit Hilfe von „Mein Weg" Stellung zum persönlichen Werdegang nimmt. Zwischendrin geht es nach „Amsterdam", das bei Hoffmann einem mediterranen Halbweltkosmos gleichkommt. Verreist wird auch in „Melancholia", wobei Klaus Hoffmanns Passagen mehr inneren denn äußeren Charakter besitzen. Immer geht es um die poetische Suche nach Erleuchtung, nach Sinn, nach der einzig wahren Liebe. Eine Illusion? Na klar, aber Hoffmann lässt das Illusorische für begrenzte Zeit real erscheinen.

Dabei hilft Klaus Hoffmann seine einfühlsame Stimme, die ihre instrumentale Abfederung per Akustikgitarre erfährt. Derweil ist im Hintergrund Hoffmanns wichtigster Weggefährte, der Pianisten Hawo Bleich, aktiv. Bleichs Klavierspiel verleiht dem Gesang eine sanfte Abfederung, die es sich nie zugesteht, lauthals nach vorn zu preschen. Stattdessen bleibt sie auf angenehme Weise „hintergründig".
Westfalen-Blatt, 18.06.2019 - Der deutsche Jacques Brel
Man merkt Klaus Hoffmann seine fast 70 Jahre kaum an, auch seine Stimme ist klar und fest und meistert scheinbar spielend noch alle Oktaven – so auch im Kloster Dalheim.
Von Michael Welling
Lichtenau (WB). Mit einem eindrucksvollen Konzert des Liedermachers Klaus Hoffmann endeten am Sonntagnachmittag die »Sommernachtslieder«. In der atmosphärisch einmaligen Atmosphäre des Klosterinnenhofes Dalheim lauschten die rund 500 Zuhörer mehr als zwei Stunden lang dem Berliner Chansonnier, der sein Publikum als »deutscher Jacques Brel« seit Jahrzehnten fesselt.

Geschichtenerzähler und Musiker
In Dalheim präsentierte er neben Liedern aus seinem neuen Album »Aquamarin« einen Querschnitt durch seine mehr als 50-jährige Karriere als brillanter Geschichtenerzähler und vielseitiger Musiker. Klaus Hoffmann stand – zu Unrecht – immer ein bisschen im Schatten seiner musikalischen Zeitgenossen wie Reinhard Mey, mit dem er die ersten Auftritte als Liedermacher in Berliner Kneipen gemeinsam hat. Den ganz großen Durchbruch hatte er eigentlich nie, blieb aber immer eine beständige Größe mit regelmäßigen LPs, unzähligen Konzerten und einer treuen Fangemeinde.Das Berliner Milieu ist oft ein Thema

Die feierte ihn auch bei seinem Dalheimer Auftritt, denn live sieht man ihn in unserer Region eher selten. Das Publikum lauschte gebannt seinen Erzählungen, in denen es immer wieder um das Berliner Milieu, seine eigene Lebensgeschichte und um seinen früh verstorbenen Vater ging, und sang bei Liedern wie »Blinde Katharina« oder »Amsterdam« (Lied von Jaques Brel, das Hoffmann ins Deutsche übersetzte) begeistert mit. Andächtiges Lauschen dann bei den neuen Liedern wie »Die Mondin ist ein kalter Stein« oder »Für immer und immer«.

Klosterglocken als Running Gag

Immer wieder nahm Hoffmann auch Bezug auf den Auftrittsort, ließ öfters mal Dalheim in seinen Text einfließen und benutzte die Schwalben im Innenhof und die Klosterglocken als Running Gag. Man merkt ihm seine fast 70 Jahre kaum an, er hat sich eine unbeschwerte Jugendlichkeit bewahrt, auch die Stimme ist klar und fest und meistert scheinbar spielend noch alle Oktaven.

Öfters greift er zur Gitarre, kongenial unterstützt von seinem langjährigem Klavierbegleiter Hawo Bleich, der auch mit dem Synthesizer Akzente zu setzten wusste. Ein heiterer und doch tiefsinniger Liedernachmittag, bei dem sich auch das Wetter von seiner angenehmen Seite zeigte und das Publikum nicht mit verdientem Beifall sparte.
10.04.2019, Allgemeine Zeitung:
Der Erzähler und Liedermacher Klaus Hoffmann zieht für seine "Aquamarin-Tour" die facettenreiche Bilanz seines Künstlerlebens. Beim Mainz-Konzert geht das Publikum emotional mit.
Tanze, Gerda, tanze...: Klaus Hoffmann in Mainz
Mainz-(mfa). Liedermacher, Schauspieler, Chansonnier, Erzähler, Humorist - Klaus Hoffmann hat viel von allem. Jetzt war er mit seiner Konzerttour "Aquamarin" im Frankfurter Hof zu Gast. Der Künstler, von seinem Langzeit-Konzertpartner Hawo Bleich virtuos an Flügel und E-Piano begleitet, ist ein autodidaktisches Multitalent, der mit Gitarre und Gesang seine (Lebens-)Geschichten erzählt. Die Zuschauer zeigen den Künstlern ihre Zuneigung, klatschen, lachen und singen, erst zurückhaltend, dann aber mutiger werdend Lieder wie "Gerda" oder "Derselbe Mond über Berlin" textsicher mit und klingen dabei wie ein sehnsuchtsvoller Hintergrundchor für Hoffmanns Musik.
Die Darbietung ist weit mehr als ein Konzert: Durch die Erzählkunst des Künstlers, seine Präsenz auf der Bühne, die Intonation seiner Stimme und dem Wechsel zwischen Gesang, traumreiseähnlichen Elementen, Erinnerungen, Interaktion mit dem Publikum und schauspielerischen Einlagen entsteht ein musikalisches Komplettpaket, das ein eindrückliches Bild aus seinem Leben zeichnet. Die Gedanken kommen fragmentartig, springen und sind mal schwer und nachdenklich, mal leicht und amüsiert.
Dabei wird die Dramaturgie des Konzertes durch Ereignisse seiner Kindheit und Jugend im Berlin der 60er- und 70er-Jahre bestimmt. Hoffmann nimmt das Publikum an die Hand und führt es schnörkellos, mit klaren Worten und eindrücklichen Liedern zurück in seine Kindheitserinnerungen, die geprägt sind durch den Mauerbau, die Enge des kleindeutschen Lebens in Berlin sowohl gesellschaftlich als auch räumlich, durch den Verlust des Vaters, die Eintönigkeit der Lehre, durch Sehnsucht nach Meer und Liebe - und dem Wunsch, einfach nur
Musik zu machen.
Trotz aller Schwere der Thematik lässt Hoffmann die Stimmung nie zu düster werden, beseitigt mit gekonnt platzierten Sketchen, Witzen und Pointen den Kloß im Hals. Und obwohl viele seiner Texte etwas Abseitiges, Dunkels an sich haben, schafft es der Künstler, die Themen mit einem erfahrenen Lächeln zu besingen, das ausdrückt: Sein Fazit lautet in etwa: Die Welt ist, wie sie ist, lass sie uns so annehmen und das Beste draus machen. Standing ovations.